Hydrogen Dialogue Summit: Europas Wasserstoffhochlauf braucht jetzt klare Rahmenbedingungen

Branchenneuigkeit – 22. Juli 2026

Zum ersten Mal fand der Hydrogen Dialogue Summit auf der The smarter E Europe 2026 statt. Hochrangige Keynotes und Panels aus Politik, Bundesnetzagentur sowie Vertretern aus Industrie, Wissenschaft und Verbänden beleuchteten die Chancen und Herausforderungen des Wasserstoffhochlaufs. Deutlich wurde: Die technologischen Grundlagen gelten weitgehend als geschaffen – nun entscheiden vor allem Regulierung, Investitionen und eine strategische europäische Industriepolitik darüber, ob der Wasserstoffhochlauf gelingt.

Die ees Europe ist Europas größte und internationalste Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme. Im Kontext eines erneuerbaren Energiesystems ergänzen sich verschiedene Speichertechnologien: Während Batteriespeicher insbesondere für die kurz- und mittelfristige Flexibilität und Netzstabilität eine zentrale Rolle spielen, wird Wasserstoff als wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien betrachtet. Der Einsatz von klimaneutral erzeugtem Wasserstoff etwa in der Zement- und Stahlbranche befindet sich im Hochlauf. In der Chemiebranche wird er bereits heute genutzt. Zugleich wird Wasserstoff als langfristige Speicherlösung für erneuerbare Energien diskutiert.

Unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Staatsministers für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Hubert Aiwanger, startete der Hydrogen Dialogue Summit 2026 als zentrale Leitkonferenz zum Thema Wasserstoff, die internationale Entscheidungsträger aus Industrie, Politik und Energiewirtschaft zusammenbringt. Der erste Konferenztag widmete sich mit der Session „Systemdienliche Elektrolyse - vom Netzengpass zur Speicherlösung“ den Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf – von systemdienlicher Elektrolyse und resilienten Infrastrukturen über investitionsfördernde Rahmenbedingungen bis hin zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit und Technologiesouveränität.

Auf dem Hydrogen Dialogue Summit 2026 diskutierten Expertinnen und Experten, welche politischen und technologischen Weichen für den Wasserstoffhochlauf in Europa entscheidend sind.

Systemdienliche Elektrolyse kann das Energiesystem entlasten

Ein breiter Konsens bestand im Panel darüber, dass Wasserstoff nur als Teil eines integrierten Energiesystems erfolgreich sein kann. Der Hochlauf umfasse nicht allein den Ausbau von Elektrolyseuren, sondern ebenso den Aufbau leistungsfähiger Wasserstoffnetze, geeigneter Speicherinfrastrukturen sowie internationaler Lieferketten und Importstrategien.

Besonders hervorgehoben wurde die Rolle einer systemdienlichen Elektrolyse. Angesichts der hohen Kosten des Netzengpassmanagements von rund 3,1 Milliarden Euro im Jahr 2025 (Bundesnetzagentur/SMARD) können Elektrolyseure einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität leisten, indem sie Strom aus erneuerbaren Energien flexibel aufnehmen und in Wasserstoff umwandeln. So lassen sich Netzengpässe reduzieren, erneuerbare Erzeugung besser nutzen und gleichzeitig zusätzliche Flexibilität für das Energiesystem schaffen.

Vor diesem Hintergrund wurde Wasserstoff als zentraler Baustein der Energiewende und einer zukunftsfähigen Industriepolitik eingeordnet. Aiwanger betonte: „Wir müssen die Möglichkeiten nutzen, die uns Wasserstoff bietet.“ Insbesondere für die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien und die langfristige Speicherung erneuerbarer Energien gilt die Technologie als unverzichtbar. Sebastian Roloff, MdB und wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, erklärte, Wasserstoff müsse dort eingesetzt werden, wo keine anderen klimafreundlichen Alternativen zur Verfügung stehen.

Das Panel machte deutlich, dass nun die notwendigen regulatorischen und infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit das Gesamtsystem aus Erzeugung, Transport, Speicherung und Nutzung wirtschaftlich und zuverlässig wachsen kann.

Die Ausgestaltung der Netzentgelte bleibt ein entscheidender Faktor für den Wasserstoffhochlauf. Während bestehende Sonderregelungen für Elektrolyseure im Rahmen der aktuellen Übergangsregelungen berücksichtigt werden, arbeitet die Bundesnetzagentur an einer neuen Systematik, die Planungssicherheit schaffen und gleichzeitig systemdienliches Verhalten fördern soll. Im Panel wurde daher betont, dass Netzentgelte den ohnehin kostenintensiven und aktuell begrenzt marktgetriebenen Wasserstoffhochlauf nicht zusätzlich ausbremsen dürfen.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, erklärte in seiner Videobotschaft, dass die Bundesnetzagentur daran arbeite, einen Rahmen zu schaffen, der sowohl nationalen als auch europäischen Anforderungen gerecht werde. Ziel sei es, die Thematik bis Ende 2026 zu einem Abschluss zu bringen und damit deutlich mehr Planungssicherheit für die Marktakteure zu schaffen. Er betonte in diesem Zusammenhang: „Wasserstoff ist ein ganz zentraler Beitrag für das Gelingen der Energiewende.“

Die weiterhin unklare Ausgestaltung der Netzentgelte wird in der Branche als Investitionshemmnis wahrgenommen und erschwert insbesondere den Offtake von Wasserstoff als Speicher- und Flexibilitätslösung. Investoren fordern vor allem langfristige Preis- und Planungssicherheit. Dies trifft nicht nur auf die Netzentgelte zu, sondern wirft auch mit Blick auf die weiterhin unklaren politischen Rahmenbedingungen in der Branche Fragen auf. Insgesamt zeigt sich damit ein strukturelles Nachfrageproblem, das den marktbasierten Hochlauf derzeit ausbremst.

Mit welcher Art von Wasserstoff dieser Hochlauf beginnen sollte, darüber wurde teils kontrovers diskutiert. Blauer Wasserstoff wird aus Erdgas hergestellt, wobei das entstehende CO₂ durch Abscheidung und Speicherung (CCS) reduziert wird. Grüner Wasserstoff entsteht hingegen durch die Elektrolyse von Wasser mit Strom aus erneuerbaren Energien und gilt als klimaneutrale Zieloption.

Florian Dötterl (EVP Corporate Communication & Governmental Relations, Uniper SE), sprach sich dafür aus, blauen Wasserstoff als Brückentechnologie zuzulassen, um den Markthochlauf zu beschleunigen und Kosten zu senken. Dr. Nima Pegemanyfar (Executive Vice President Customer Operations, QuestOne GmbH), warnte hingegen davor, blauen Wasserstoff lediglich als Übergangslösung zu kommunizieren, die später in grünen Wasserstoff überführt wird. Dies könne Unsicherheit bei Investoren und Kunden erzeugen und damit Investitionen verzögern.

Auch die CO₂-Bepreisung wurde aufgegriffen: Aiwanger bewertete sie als Belastung für die Wasserstoffwirtschaft. Roloff hielt sie zwar ebenfalls nicht für optimal, ordnete ihren Kosteneffekt im Vergleich zu anderen Faktoren jedoch als eher gering ein.

Aus dem Hydrogen Dialogue Summit ging eine zentrale Frage hervor: Wie kann Europa verhindern, bei Elektrolyseuren in eine ähnliche wirtschaftliche Abhängigkeit zu geraten, wie zuvor in diversen anderen Branchen? Die Antwort darauf wurde teils zwischen den Zeilen deutlich, teils klar ausgesprochen: Europa muss seine technologische Souveränität stärken.

„Wenn Steuermittel im Spiel sind, sollten europäische Technologien genutzt werden.“, forderte Jorgo Chatzimarkakis (CEO Hydrogen Europe). Friederike Lassen (Vorständin Deutscher Wasserstoffverband e. V.) sprach sich ebenfalls dafür aus, in Deutschland und Europa Technologien zu „pushen“, anstatt sich auf andere zu verlassen. Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner (Professor für Energiespeicher und Energiesysteme, OTH Regensburg Technical University of Applied Sciences), warnte vor einer Wiederholung der Abhängigkeiten wie bei Batterien und Solarmodulen und betonte die Notwendigkeit, eine europäische Wertschöpfungskette aufzubauen.

Im Panel stand die Sorge vor einer zu starken Abhängigkeit Europas und Deutschlands von Asien und insbesondere China im Fokus. Als zentraler Lösungsansatz zeichnete sich die gezielte Förderung von Wasserstoffprojekten, Elektrolyseur-Technologien und europäischen Wertschöpfungsketten ab. „Made in Europe“ wurde als strategischer Wettbewerbs- und Sicherheitsfaktor hervorgehoben.

Gleichzeitig verdeutlichte sich, dass Wasserstoffimporte unverzichtbar sein werden. Diese sollen jedoch nicht aus einzelnen Ländern, sondern aus verschiedenen Weltregionen erfolgen, um neue einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden. Parallel bleibt der Aufbau einer europäischen Wasserstoff-Wertschöpfungskette ein zentrales Ziel, insbesondere mit Blick auf mögliche strategische Abhängigkeiten. Die Diskussion drehte sich dabei weniger um das „Ob“ von Importen als vielmehr um das Ausmaß europäischer Eigenständigkeit.

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