Flexibilität unter Druck: Speicher zwischen Boom, Regulierung und Marktdesign

Branchenneuigkeit – 23. Juli 2026

Batteriespeicher entwickeln sich vom Ergänzungsbaustein zur tragenden Säule des Energiesystems. Beim diesjährigen ees Forum zu diesem Thema wurde jedoch deutlich: Netzanschlüsse, regulatorische Unsicherheiten und die Ausgestaltung des Kapazitätsmarkts entscheiden darüber, wie schnell der Ausbau weitergehen kann.

Das Batteriespeicher künftig eine Schlüsselrolle im Energiesystem spielen werden, war unter den Panelisten Franz-Josef Feilmeier (CEO, FENECON), Georg Gallmetzer (CEO, Eco Stor GmbH) und Thilo Engelmann (Teamleiter Batteriespeicher, Trianel GmbH) auf der ees Europe unstrittig. Die eigentliche Debatte drehte sich um die Frage, welche Rahmenbedingungen den Ausbau beschleunigen oder ausbremsen. Engelmann betonte: „Wir stehen bei Batteriespeichern noch ganz am Anfang mit dem Ausbau für eine klimaneutrale Energiewirtschaft.“ Gallmetzer wies darauf hin, dass in dieser Phase der Marktentwicklung Energiespeicher in allen Anwendungsbereichen für die Dekarbonisierung benötigt werden. Allerdings würden Netzanschlusskapazitäten zunehmend zum Engpass.

Trotz dieser Engpässe sehen die Unternehmen erhebliche Marktchancen. Speicher werden künftig nicht nur bei der Integration erneuerbarer Energien eine wichtige Rolle spielen, sondern auch für die Flexibilität des gesamten Energiesystems. Der tatsächliche Ausbau bleibt zwar noch hinter dem langfristigen Bedarf zurück, die Projektpipeline wächst jedoch mit hoher Dynamik. Feilmeier erwartete insbesondere im Gewerbe- und Industriesegment (C&I) einen starken Markthochlauf. KI-gestützte Optimierung von Lastprofilen und Strompreisen könne Amortisationszeiten von unter fünf Jahren ermöglichen.

Julian Jansen, Deutschlandchef von Fluence, über den rasant wachsenden Markt für Großbatteriespeicher.

Ausgerechnet die Technologie, die mehr Flexibilität ins Stromsystem bringen soll, stößt beim eigenen Ausbau zunehmend auf Grenzen: Batteriespeicher finden Projekte und Investoren – aber nicht immer einen passenden Netzanschluss. Während der Speichermarkt dynamisch wächst, geraten verfügbare Netzkapazitäten immer stärker zum begrenzenden Faktor.

Die Panelisten sahen darin eine der größten Herausforderungen für den weiteren Ausbau. Speicherprojekte konkurrieren mit Industrieanlagen und Erzeugungsanlagen aus erneuerbaren Energien um begrenzte Anschlusskapazitäten. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob ausreichend Interesse an Speichern vorhanden ist, sondern ob Infrastruktur, Marktregeln und Prozesse mit der Geschwindigkeit der Entwicklung Schritt halten können.

„Wir sind mit einer ungeheuren Wucht auf eine Party gestürmt, auf die wir nicht eingeladen waren“, beschrieb Gallmetzer den rasanten Aufstieg der Batteriespeicher. Engelmann verwies zugleich auf regionale Unterschiede bei der Auslastung der Netzknoten: „Wo viele erneuerbare Energien angeschlossen sind, kann es herausfordernd sein, noch Batterien anzuschließen. An anderen Knotenpunkten geht das sehr gut.“

Neben den physischen Netzkapazitäten rückte auch die Digitalisierung in den Fokus der Diskussion. Nach Einschätzung mehrerer Panelisten haben sich Prozesse und Steuerungsmöglichkeiten nicht schnell genug an die Dynamik des Speichermarkts angepasst. Flexible Netzanschlussverträge könnten helfen, vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen. Voraussetzung sei jedoch, dass solche Modelle wirtschaftlich attraktiv bleiben und Investoren ausreichend Planungssicherheit bieten.

Entscheidend für den weiteren Ausbau von Batteriespeichern sind aus Sicht der Panelisten vor allem Planungssicherheit und verlässliche Regulierung. Während die Branche einerseits von verbesserten Rahmenbedingungen wie der Befreiung von Netzentgelten profitiert, sorgen kurzfristige regulatorische Eingriffe weiterhin für erhebliche Verunsicherung bei Investoren.

Bislang konnte eine Doppelbelastung von Batteriespeichern durch Netzentgelte – sowohl beim Laden als auch bei der Einspeisung des Stroms – vermieden werden. Anfang 2026 stellte die Bundesnetzagentur diese Regelung jedoch im Zuge der Reform der „Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom“ (AgNes) infrage. Für erhebliche Kritik sorgte insbesondere die Aussage der Behörde, dass auch bestehende Investitionserwartungen sowie bereits geplante, aber noch nicht in Betrieb befindliche Projekte von einer geänderten Auslegung der Rechtslage betroffen sein könnten. Aus Sicht der Branche würde dies den Bestandsschutz einschränken und die Investitionssicherheit erheblich beeinträchtigen.

Unter den Panelisten wurden unterschiedliche Sichtweisen deutlich. Engelmann kritisierte das Vorgehen der Bundesnetzagentur: „Solche Ankündigungen der Bundesnetzagentur lösen Entsetzen aus.“ Aus seiner Sicht kam die Mitteilung einer Vollbremsung für die Branche gleich. Die daraus zu erwartenden Schäden seien insbesondere angsichts der langen Entwicklungszeiten von Großbatteriespeichern, die bis zu fünf Jahre betragen können, erheblich. Er betonte, dass doppelte Netzentgelte Speicherprojekte wirtschaftlich unattraktiv gemacht hätten. Dass inzwischen wieder günstigere Rahmenbedingungen in Aussicht stehen, sei dem Protest der Branche zu verdanken.

Feilmeier zeichnete hingegen ein überwiegend positives Bild der bisherigen politischen Entwicklungen: „Wir fühlen uns unterstützt von der Politik. (...) Es ist viel passiert in puncto Wirtschaftlichkeit, aber der Weg ist noch nicht zu Ende.“ Die Politik verfolge grundsätzlich die gleichen Ziele wie die Wirtschaft, auch wenn die Umsetzung aus seiner Sicht zu langsam voranschreite. Als Fortschritte nannte er den Abbau bürokratischer Hürden, die zunehmende Genehmigungsfähigkeit von Speichern sowie die Befreiung von Netzentgelten. Inzwischen ließen sich Speicher umfassend in den Energiemarkt integrieren und vermarkten. Nun gelte es, den bestehenden Energy-Only-Markt um einen Kapazitätsmarkt zu ergänzen.

Die Frage nach der künftigen Rolle von Batteriespeichern gewinnt auch politisch an Bedeutung. Mit ihrer Kraftwerksstrategie verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Versorgungssicherheit während des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien zu gewährleisten. Dazu sollen zunächst neue steuerbare Kapazitäten ausgeschrieben werden. Im Mittelpunkt stehen Anlagen, die auch über längere Phasen geringer Erzeugung aus Wind und Sonne hinweg Strom bereitstellen können. Diese Rolle übernehmen nach heutigem Stand vor allem flexible, perspektivisch mit Wasserstoff betreibbare Gaskraftwerke. Langfristig soll ein Kapazitätsmarkt entstehen, der auch andere Technologien wie Batteriespeicher und weitere Flexibilitätsoptionen einbezieht.

Batteriespeicher können insbesondere kurzfristige und mittelfristige Schwankungen im Stromsystem ausgleichen. Vor diesem Hintergrund diskutierten die Panelisten, welchen Beitrag Speicher künftig zur Versorgungssicherheit leisten können. Feilmeier sah ein größeres Potenzial für Großbatteriespeicher in Phasen geringer Erzeugung aus erneuerbaren Energien und stellte die Frage, ob Speicher nicht als Überbrückungsmöglichkeit ausreichen könnten. Die anderen Panelisten räumten hingegen ein, dass für langanhaltende Dunkelflauten weiterhin flexible Kraftwerkskapazitäten erforderlich sein könnten. Engelmann erklärte: „In anderen Ländern zeigen die Szenarien, dass Batteriespeicher in den meisten Fällen ausreichend sind. Gaskraftwerke braucht man aber als Sicherheit.“

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