Die Nutzung von Batteriespeichern im gewerblichen Umfeld entwickelt sich rasant. Was noch vor wenigen Jahren als Zukunftstechnologie galt, ist heute ein zentraler Baustein für Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. Insbesondere „Behind-the-Meter“-Lösungen – also Speicher, die direkt beim Kunden installiert sind – eröffnen vielfältige Möglichkeiten, Energieflüsse intelligent zu steuern und zusätzliche Erlöse zu generieren.
Das Unternehmen Bnewable gibt Einblicke in Geschäftsmodelle und konkrete Einsatzmöglichkeiten von Batteriespeichern im C&I-Segment (Commercial & Industrial) – mit Fokus auf Flexibilität, Multi-Use-Strategien und lokale Wertschöpfung.
„Als vergleichsweise junges Unternehmen haben wir schnell erkannt, dass die Schaffung von Flexibilität vor Ort bei unseren Kunden zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Infrastruktur wird, um die Volatilität der Energiepreise und Netzengpässe zu bewältigen“, sagt Dr. Max Kronberg, Geschäftsführer von Bnewable in Deutschland.
„Was zunächst wie ein einfaches Geschäftsmodell erscheint – überschüssige Energie zu speichern und später zu nutzen – erzielt isoliert betrachtet oft keine ausreichenden Erträge. In der Praxis rechtfertigen einzelne Anwendungen wie Peak Shaving oder die Optimierung des Eigenverbrauchs die Investition selten allein. Zwar können sie eine stabile Grundauslastung schaffen, lassen jedoch in der Regel erhebliches Wertschöpfungspotenzial ungenutzt.“
„Wirtschaftliche Tragfähigkeit wird daher erst erreicht, wenn mehrere Wertschöpfungsquellen kombiniert werden, darunter Peak Shaving, die Optimierung des Eigenverbrauchs aus lokaler Erzeugung, virtuelle Netzerweiterung sowie die Teilnahme an Großhandels- und Regelenergiemärkten. Der Schlüssel liegt also nicht darin, sich zwischen einzelnen Anwendungsfällen zu entscheiden, sondern sie zu integrieren. Dafür ist eine intelligente Echtzeit-Steuerung erforderlich, die lokalen Energiebedarf, Speicherverhalten und Marktsignale miteinander koordiniert.“
Anstatt von Kunden zu verlangen, Batteriesysteme vor Ort vollständig selbst zu finanzieren und zu betreiben, konzentriert sich Bnewable auf sogenannte Battery-as-a-Service-(BaaS)-Modelle im C&I-Segment, typischerweise im Bereich von 1 MW bis 25 MW.
Bei diesem Modell wird das Batteriesystem von einem Anbieter finanziert, installiert und betrieben, der sämtliche potenziellen Wertschöpfungsquellen bündelt, sowohl hinter als auch vor dem Zähler. Die erzielten Einnahmen dienen zur Deckung der Investitions- und Betriebskosten. Das Modell soll dem Kunden das finanzielle Risiko abnehmen, ihm aber dennoch ermöglichen, von planbaren Einsparungen vor Ort sowie zusätzlichen Erträgen aus der Marktteilnahme zu profitieren.
„Es ist eine Win-win-win-Situation. Der Kunde benötigt keine anfänglichen CAPEX-Investitionen, um ein Batteriesystem zu installieren, und profitiert ab dem ersten Tag nach der Inbetriebnahme von verschiedenen Kosteneinsparungen, etwa durch Peak Shaving oder Eigenverbrauchsoptimierung. Wenn die Batterie nicht für Anwendungen vor Ort benötigt wird – was häufig die meiste Zeit der Fall ist –, nutzen wir sie für marktorientierte Optimierungen und systemstützende Anwendungen, wodurch zusätzliche Einnahmequellen entstehen, mit denen die Investition refinanziert wird. Der Kunde erhält anschließend einen Anteil an diesen zusätzlichen Erlösen, da das System an seine Standort- und Netzinfrastruktur angeschlossen ist. Gleichzeitig tragen wir dazu bei, mehr erneuerbare Energien zu integrieren, die Netzstabilität zu unterstützen und die systemweite Preisvolatilität zu reduzieren“, sagt Dr. Kronberg.
Mit dem zunehmenden Ausbau großer Speichersysteme sinken die Erlöse aus klassischen Front-of-the-Meter-Anwendungen wie dem Großhandelsstromhandel tendenziell. Dadurch gewinnen zusätzliche Behind-the-Meter-Wertschöpfungsmodelle an Bedeutung. Die erste Ebene besteht darin, Flexibilität für Strommärkte und Systemdienstleistungen bereitzustellen; die nächste darin, das lokale Stromnetz zu unterstützen.
Immer mehr Unternehmen – beispielsweise Rechenzentren – sehen sich aufgrund begrenzter Netzkapazitäten mit abgelehnten Netzanschlussanfragen konfrontiert, während der Elektrifizierungsbedarf weiter steigt. In diesem Zusammenhang können Batteriespeicher Flexibilität bereitstellen und Netzengpässe entlasten. Selbst nach einem Netzausbau behalten die Batteriespeicher ihren Wert durch die Optimierung des Energieverbrauchs vor Ort.
Um ihr volles Potenzial auszuschöpfen, werden diese Wertschöpfungsquellen gebündelt und in ein einheitliches Optimierungsframework integriert. „Dafür benötigen wir einen eigenen Algorithmus, der Lade- und Entladeentscheidungen kontinuierlich optimiert und dabei lokale physische sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigt – etwa Lastspitzenbegrenzungen, die Optimierung des lokalen Verbrauchs und die Betriebsbedingungen der Batterie. Ziel ist es, die Gesamtfunktion aus Kosten und Erlösen in Echtzeit zu optimieren, indem fortlaufend auf Marktbedingungen und Systemrestriktionen reagiert wird“, so Dr. Kronberg.