KONTAKT

Second-Use für Batterien

Mit dem Zweiten leben sie länger

Die Zahl der Elektroautos wird in den nächsten Jahren stark steigen. Das bedeutet, dass allein schon Skaleneffekte die Preise der Batteriepakete für Elektroantriebe sinken lassen werden. Dennoch ist vorhersehbar, dass Lithiumionenakkus aufgrund der steigenden Anforderungen an Leistungs- und Energiedichte die teuerste Komponente eines Elektromobils bleiben werden. Allerdings haben die Energiespeicher im Fahrzeug am Ende ihrer Lebensdauer von circa 10 Jahren immer noch eine Restkapazität von 70 bis 80 Prozent ihres ursprünglichen Speichervermögens. Für ein Recyling wären solche Lithiumionenakkus also viel zu schade. Daher beginnt genau an dieser Stelle ihr zweites Leben in stationären Stromspeichern.

Experten gehen davon aus, dass die Akkus zur Zwischenspeicherung von Solar- und Windstrom und zum Abfangen von Produktions- und Verbrauchsspitzen im Netz noch mindestens zehn Jahre wirtschaftlich betrieben werden können. Automobilkonzerne und Energieversorger haben dieses Potenzial erkannt und eine ganze Reihe von Projekten zur Entwicklung der neuen Technologie auf den Weg gebracht. Eine der ersten großtechnischen Anwendungen war ein Netzspeicher in Lünen. Dort kommen seit 2016 rund 1.000 Batteriesysteme aus Smart-Elektroautos des Projektpartners Daimler als Leistungspuffer im Stromnetz zum Einsatz. Überraschendes Ergebnis: Dank der gleichmäßigeren Lade-/Entladezyklen im stationären Speicherbetrieb ist die nutzbare Kapazität der Second-Use-Akkus seit Inbetriebnahme sogar um 0,3 Prozent gestiegen.

Auch andere Automobilkonzerne richten sich darauf ein, eine steigende Zahl Akkus nach ihrem Einsatz im Fahrzeug zurück zu nehmen und einem zweiten Leben zuzuführen. Renault kooperiert zum Beispiel mit einem englischen Hersteller von Heimspeicher-Systemen. Der französische Automobilkonzern tauscht Lithiumionenakkus in seinen Fahrzeugen planmäßig aus, wenn deren Ladekapazität unter 75 Prozent gesunken ist. Zusätzlich liefert der langjährige Marktführer in Sachen Elektromobilität Akkus aus der Umrüstungen des Renault Zoe von 20 auf 41 Kilowattstunden für die Produktion von kleinen Stromspeichern für Privathaushalte. Durch den Second-Use-Einsatz der Akkus senkt nicht nur Renault seine Kosten, auch der Hersteller der Heimspeicher spart rund 30 Prozent im Vergleich zur Nutzung neuer Batterien und kann den Preisvorteil an seine Kunden weitergeben.

Seit einem Jahr ist ein 3-Megawatt-Speicher im Parkhaus der Amsterdamer Johan Cruijff Arena in Betrieb: Der Stromspeicher xStorage von Eaton und Nissan kombiniert 85 fabrikneue und 63 Second-use Batterypacks aus dem Nissan Leaf miteinander. Er ist einer der größten Energiespeicher, die jemals in einem europäischen Gewerbebau installiert wurden und soll die Energieversorgung im Heimspielstadion von Ajax Amsterdam umweltfreundlicher und energieeffizienter machen. Außerdem kann er natürlich bei Stromausfällen die Notstromversorgung übernehmen und zum Lastspitzenmanagement beitragen.

Letztlich sollte aber auch nicht vergessen werden, dass Second-Use-Speicher neben dem wirtschaftlichen auch einen ökologischen Nutzen generieren. Denn sie verringern gegenüber neuen Akkus den Bedarf an kritischen Rohstoffen wie zum Beispiel Nickel und Lithium und senken den Energieaufwand für die Bereitstellung von Speicherkapazität.

 

Ausstellerliste ees Europe

Ausstellerliste Power2Drive Europe

Geführte Messerundgänge zum Thema Batterieproduktion beantworten auch Fragen zu Recycling und Second Use. Treffpunkt: Forum PV und Batterieproduktion, Halle C1, Stand C1.550

Forum PV und Batterieproduktion Halle C1, Stand C1.550, thematisiert auch Life-Cycle von Batterien

Second use verbessert die Ökobilanz von Batterien